Raumakustik und der Nachhall

Hall als Oberbegriff ist der gesamte diffuse Schall in einem Raum. Wird eine Schallquelle in einem Raum plötzlich eingeschaltet, so baut sich das diffuse Feld erst danach als Anhall auf, es begleitet dann das Schallereignis als Mithall und klingt nach Abschalten der Schallquelle als Nachhall ab.

 
Nachhall – die wichtigste Erscheinungsform des Halls – ist die Abnahme des Schallfelds in einem Raum nach Abschalten der Schallquelle, d.h. das Abklingen des diffusen Schallfeldes, welches im Idealfall unabhängig vom Ort und von der Richtung den Raum gleichmäßig erfüllt. In der Hörakustik ist der Nachhall das Leiserwerden des Hörereignisses nach Abschalten der Schallquelle. Je länger der Nachhall dauert, umso besser verteilt sich der Schall im Allgemeinen auf alle Raumpunkte und auf alle Richtungen. Die Abnahme erfolgt umso schneller, je größer die Absorption der Raumbegrenzungen ist und je häufiger die Schallstrahlen reflektiert werden, d.h. also je kleiner der Raum ist.
 
Unter der Nachhallzeit gemessen in Sekunden versteht man den Zeitabschnitt, innerhalb dessen die Schallenergie in einem Raum nach Abschalten der Schallquelle auf den millionsten Teil abfällt. Dies entspricht dem Abfall des Schalldruckpegels um 60 dB. Die Nachhallzeit lässt sich sowohl messen als auch mit verschiedenen Formeln berechnen.
Die Dauer des Abklingvorgangs, der bei Abschalten eines Schallereignisses tatsächlich wahrgenommen wird, stimmt nur in Ausnahmefällen mit der Nachhallzeit überein. Deshalb wird als Nachhalldauer die Zeitspanne definiert, innerhalb der ein Nachhallvorgang hörbar ist. Die Nachhalldauer hängt vom Schallpegel der Schallquelle sowie vom Störgeräusch im Raum ab. Die Nachhalldauer nimmt mit dem Schallpegel stark zu. Deshalb wirkt ein Raum umso halliger, je lauter die Schallquelle ist. Bei leisen Stellen ist nur wenig Raumhall hörbar, d.h. der hörbare Anteil des Raumes am Schallereignis ändert sich ständig mit der Lautstärke.
 
Die mehrheitlich als optimal empfundene Nachhallzeit hängt von verschiedenen Faktoren ab. In erster Linie von der Art der Darbietung, bei Musik vom Stil und der Besetzung, von der Interpretation des Musikstückes, aber auch ganz erheblich von der Raumgröße, sowie der Feinstruktur des Nachhalls. Da ein Raum ohnehin im Allgemeinen für mehrere Darbietungsarten genutzt wird, kann es sich bei der optimalen Nachhallzeit nur darum handeln, Richtwerte für den Nachhall im mittleren Frequenzbereich anzugeben, die möglichst nicht unter- und überschritten werden sollten. Neben physikalischen, hörpsychologischen und darbietungsbezogenen Gesichtspunkten spielt auch ein gewissen Zeitgeschmack eine Rolle. Allgemein kann man sagen, dass Räume, die in erster Linie eine gute Sprachverständlichkeit erfordern (z.B. Opernhäuser, Theater) eine kürzere Nachhallzeit haben sollten, als Räume für Musikdarbietungen (Konzertsäle).